Du willst online verkaufen – aber wo? Über einen eigenen Onlineshop oder lieber auf einer Plattform wie Amazon? Oder vielleicht beides? Diese Frage stellen sich viele angehende Händler und die Antwort hängt von mehreren Faktoren ab: Deinem Produkt, Deiner Zielgruppe und Deiner langfristigen Preis-, Marketing und Wachstumsstrategie.
Vorteile eines eigenen Onlineshops
Ein eigener Onlineshop ist so etwas wie Dein „digitales Zuhause“. Hier hast Du die volle Kontrolle über Deine Marke, Deine Produkte und die Kundenerfahrung. Du kannst Dein Shop-Design selbst gestalten, die Texte individuell anpassen und gezielt auf Customer Experience setzen – etwas, das auf Marktplätzen oft zu kurz kommt.
Ein großer Vorteil ist auch die Datenhoheit: Du hast direkten Zugang zu Kundendaten, Bestellhistorie und Nutzerverhalten, was Dir wertvolle Insights für Marketing und Produktentwicklung liefert. Diese durch E-Commerce Tracking (mithilfe eines Webanalyse Tools) erhobenen Daten kannst Du nutzen, um personalisierte Kampagnen zu fahren, Retargeting-Listen zu erstellen oder Stammkundenprogramme aufzubauen.
Auch die Marge ist oft besser: Du zahlst keine Verkaufsprovisionen (wie bei Amazon, wo je nach Kategorie bis zu 15–20 % des Verkaufspreises an Gebühren fällig werden) und kannst die Preise freier gestalten.
❌ Nachteile:
Natürlich ist ein eigener Shop nicht immer die günstigste oder einfachste Option. Du musst selbst für Traffic sorgen, was oft über SEO, Google Ads, Social Media oder E-Mail-Marketing läuft – allesamt Disziplinen, die Zeit, Know-how und Budget erfordern.
Außerdem liegt die technische Verantwortung bei Dir. Das heißt: Du musst Dich um Hosting, Sicherheit, Updates und Backups kümmern – oder jemanden dafür bezahlen.
Auch der rechtliche Rahmen (DSGVO, Cookie-Banner, Widerrufsbelehrung) ist komplexer als auf einer Plattform.
Vorteile von Marktplätzen wie Amazon
Amazon, eBay und Etsy bieten den großen Vorteil, dass Du sofort Zugang zu Millionen potenzieller Kunden hast – ohne selbst Marketing machen zu müssen.
Die Plattformen haben Vertrauen aufgebaut, bieten einfache Zahlungslösungen und oft sogar Fulfillment-Services wie FBA (Fulfillment by Amazon). Das spart Dir Lager- und Logistikaufwand.
Für viele Produkte ist Amazon einfach die erste Anlaufstelle – von Elektronik bis hin zu Haushaltswaren. Wenn Du hier gelistet bist, profitierst Du direkt von der riesigen Reichweite und dem Vertrauen, das die Marke Amazon genießt.
Überlege mal: Wie oft googelst Du nach Produkten und wie häufig schaust Du direkt und ohne Umwege bei Amazon vorbei, weil der Versand schnell und reibungslos funktioniert und Du das Vergleichsangebot (Preise, Bewertungen) schätzt und vllt. sogar noch einen Gutschein hast?! Genau – und so handeln tatsächlich sehr viele User.
❌ Schattenseiten:
Wo Licht ist, da ist der Schatten naturgemäß nicht weit. So gibst Du dafür einen Teil Deiner Marge ab – oft nicht wenig. Amazon kassiert Verkaufsgebühren, Versandgebühren und bei FBA sogar Lagergebühren.
Außerdem hast Du kaum Einfluss auf das Kundenerlebnis und die Markenwahrnehmung. Du „besitzt“ die Kundendaten nicht und bist abhängig von den Regeln der Plattform – die sich jederzeit ändern können.
Ein weiteres Problem: Preiskampf und hohe Konkurrenz. Auf Plattformen wie Amazon sind oft viele Händler mit denselben oder sehr ähnlichen Produkten unterwegs. Zwischenhändler verlieren hier schnell gegen Direktanbieter, die ihre Produkte selbst importieren oder herstellen und direkt an Endkunden verkaufen – oft zu deutlich niedrigeren Preisen.
Zur Wahrheit gehört aber auch, dass der Preiskampf ebenso außerhalb von Amazon stattfindet. Der Zwischenhandel ist online eigentlich längst ausgestorben – jedenfalls in sehr vielen Produktbereichen.
Beides kombinieren – geht das überhaupt?
Viele erfolgreiche Händler setzen auf eine Kombination aus eigenem Onlineshop und Plattformen wie Amazon, eBay oder Etsy. Das kann sinnvoll sein, ist aber nicht ohne Risiko.
Worauf Du achten solltest:
- Preisgestaltung: Plattformen nehmen hohe Gebühren – das musst Du bei der Preiskalkulation berücksichtigen. Deine Marge ist auf Amazon in der Regel kleiner, also sollte Dein eigener Shop die bessere Marge bringen.
- Produktdifferenzierung: Vielleicht verkaufst Du Deine Bestseller auf Amazon, aber exklusive Bundles oder limitierte Editionen nur im eigenen Shop. So vermeidest Du direkte Preisvergleiche.
- Lager- und Logistikkosten: Wenn Du FBA nutzt, entstehen doppelte Lagerkosten, wenn Du zusätzlich ein eigenes Lager für Deinen Shop betreibst.
- Markenstrategie: Dein Shop sollte immer der zentrale Anlaufpunkt für Deine Marke sein – Plattformen dienen eher als zusätzlicher Verkaufskanal.
Welche Produkte eignen sich für welche Kanäle?
Nicht jedes Produkt eignet sich für beide Kanäle. Ein paar Beispiele:
Ideal für Amazon:
- Standardisierte Produkte mit hoher Nachfrage (z. B. Elektronik, Haushaltswaren, Zubehör)
- Konsumgüter mit geringer Markenbindung
- Günstige Produkte, die oft nachgekauft werden (z. B. Handyhüllen, Batterien, Haushaltswaren)
Ideal für den eigenen Shop:
- Einzigartige, personalisierbare Produkte (z. B. Schmuck, Mode, DIY-Artikel)
- Nischenprodukte, die spezifische Zielgruppen ansprechen
- Premium- oder Luxusartikel, bei denen die Marke wichtig ist
- Produkte, die einer Erklärung oder Beratung bedürfen
| Kriterium | Eigener Onlineshop | Amazon / Plattformen |
| Kontrolle | Volle Kontrolle über Marke, Design und Kundenerlebnis | Stark eingeschränkt, strikte Plattformregeln |
| Kundendaten | Direkter Zugriff, wertvoll für CRM und Remarketing | Keine direkten Kundendaten, nur Bestellinformationen |
| Marge | Hoher Gewinn pro Verkauf, keine Plattformgebühren | Hohe Verkaufsgebühren (10–20 %), Versandkosten, Lagergebühren (FBA) |
| Reichweite | Eigenes Marketing erforderlich (SEO, Ads, Social) | Riesige Kundenbasis, hoher Vertrauensfaktor |
| Flexibilität | Hohe Design- und Funktionsfreiheit | Eingeschränkte Gestaltungsmöglichkeiten |
| Traffic | Abhängig von organischem Ranking und Ads | Hoher Traffic, aber starke Konkurrenz |
| Marketing | Volle Kontrolle, E-Mail-Listen, Social Media | Abhängigkeit vom Plattform-Algorithmus |
| Logistik | Eigene Lösungen oder externe Partner (z. B. DHL, DPD) | FBA bietet einfache Fulfillment-Optionen, aber hohe Kosten |
| Kundenbindung | Hohe Wiederkaufraten durch personalisierte Angebote | Geringere Bindung, da Kunden oft preissensitiv |
| Skalierung | Skalierbar, aber technisch anspruchsvoller | Schnell skalierbar, aber kostenintensiv |
Fazit: Marge beachten
Wenn Du beide Kanäle nutzt, solltest Du Deine Preise genau kalkulieren. Auf Plattformen wie Amazon musst Du die hohen Gebühren einrechnen – das senkt Deine Marge erheblich. Dein eigener Shop sollte daher höhere Margen bieten, damit sich der zusätzliche Aufwand lohnt.
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